#nolegida

Montag, 19. Januar 2015





Als wir Kinder waren, war Politik für mich sehr weit weg. Im Sozialkundeunterricht lernte ich, dass ich mit achtzehn Jahren wählen darf. Wir laßen viele Parteiprogramme, stellten ein paar wichtige Punkte heraus und bildeten uns unsere Meinung. Ich wusste dann, welche Partei für mich zu Wahl infrage kommt und welche keine Option ist. Natürlich geht man wählen, meiner Meinung nach macht man das so. Jede einzelne Stimme ist zwar winzig und man hat das Gefühl, nichts zu bewirken. Doch die Gesamtheit aller Stimmen spiegelt den Willen des Volkes wieder.
Hier war Politik für mich trotz allem noch sehr weit entfernt.

Ich wollte auf meinem Blog tatsächlich solch kritische Themen wie Religion und Politik immer außen vor lassen. Finde politische Differenzen auch nicht unbedingt schlimm, uns allen liegen verschiedene Dinge am Herzen. Wenn diese Differenzen im Rahmen bleiben.

Nun ist es aber das eine, ob man nur von Geschehnissen in der Zeitung ließt und überall #jesuischarlie ließt. Was dort passiert ist, ist tragisch. 
Der Tod des Asylbewerbers in Dresden rückt lokal gesehen noch näher an mich heran.
Doch während ich bei all dem nur mein Beleid, meine Trauer, meine Wut verkünden kann, wohne ich nun in einer Stadt, in der es zwingend notwendig ist, selbst auf die Straße zu gehen.

Aus Pegida wird in Leipzig nun Legida.

Heute stolperte ich auf Facebook über einen Aufruf "Legida"s, dessen Auszug lautet: 
"Wie am 9. Oktober 1989 werden wir damit eindrucksvoll zeigen, dass es an der Zeit ist, viele Dinge in unserem Land und in Europa zu ändern."
Dieser Satz hat mich wütend gemacht. Und traurig. Mich so mit emotionen erfüllt, dass ich sie nicht nur für mich behalten wollte.
Auch meine Eltern sind vor 25 Jahren in genau dieser Stadt auf die Straßen gegangen. Haben sich mich den Worten "Wir sind das Volk" gegen eine Diktatur gewehrt.
Und nun? Nun werden die selben Worte genutzt, werden Parallelen gesucht, um menschenfeindliche Ideologien zu verkünden?

Ich finde, dagegen müssen wir uns wehren. Jeder hier, der die Chance hat, sollte seine Meinung deutlich zeigen.
In der "großen" Politik hatte ich immer das Gefühl, mit meinen jungen Jahren nichts ausrichten zu können, außer natürlich wählen zu gehen.
In Leipzig habe ich jedoch das Gefühl, dass gerade wir jungen Menschen unsere Meinung kund tuen können.

Und während mich die ausländerfeindlichen Einstellungen schockieren und traurig machen, habe ich aber auch etwas positives gemerkt:
In dieser Stadt, die so voller Studenten steckt, bewegt man sich gegenseitig.
Es gibt von allen Seiten eine unglaubliche Motivation, sich an den #nolegida Demonstrationen zu beteiligen. Für den Frieden auf die Straße zu gehen. Lieder zu singen und Weltoffenheit zu zeigen. Zu 3.000 Legidademonstranten kamen 30.000 Gegendemonstranten. Das beobachten zu können fand ich toll. Mit welcher Selbstverständlichkeit man am Montag alles stehn und liegen ließ um sich an dieser Sache zu beteiligen.


Ich weiß nicht genau, was ich euch mit dem Beitrag sagen möchte.
Ich möchte zeigen, dass es auch mich bewegt, was zur Zeit schreckliches in der Welt vor sich geht.
Doch ich möchte euch auch berichten, dass wir zeigen können, wenn wir mit Diskriminierung, Hass und Menschenfeindlichkeit nicht leben möchten. Und dass aus der Menge vieler Einzelner die grandiose Zahl von 30.000 entstehen kann.

Eure Meinung zum Thema interessiert mich übrigens sehr.

1 Kommentar:

  1. Du solltest ein wenig mehr auf deine Rechtschreibung achten ;) "Schreckliches passiert", "etwas Positives"und "Das beobachten zu können, fand ich toll"das nur im letzten Absatz ;)

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